Ratgeber · Anschlussfinanzierung
Bausparen als Vorsorge gegen steigende Zinsen: Warum es wieder Sinn macht
Wer in einigen Jahren eine Anschlussfinanzierung oder eine Modernisierung finanzieren muss, kennt den Zins dafür heute noch nicht. Ob ein Bausparvertrag als Vorsorge gegen steigende Zinsen Sinn macht und was er kostet, zeigt dieser Beitrag.
Ein Bausparvertrag legt den Zins für ein späteres Darlehen schon beim Abschluss fest, und genau das macht Bausparen bei Bauzinsen von rund 4 Prozent wieder interessant. Gängige Bauspartarife sichern derzeit einen Darlehenszins zwischen 1 und 2 Prozent, und zwar für die gesamte Laufzeit des Bauspardarlehens.
Der niedrige Zins gilt allerdings nur für den Darlehensteil. Zuerst sparen Sie 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme an, und beim Abschluss fällt eine Gebühr von rund 1 bis 1,6 Prozent an. Am besten passt Bausparen deshalb, wenn der Finanzierungsbedarf absehbar ist und bis dahin noch einige Jahre Ansparzeit bleiben.
Wie schnell die Bauzinsen 2022 gestiegen sind
Innerhalb eines halben Jahres haben sich die Bauzinsen 2022 mehr als verdreifacht: Zehnjährige Darlehen kosteten im Januar rund 1 Prozent und im Juni in der Spitze 3,4 Prozent. Wer in diesem Jahr eine Anschlussfinanzierung brauchte, bekam die Konditionen, die der Markt am Stichtag bot.
Heute liegt das Niveau höher als damals. Im September 2026 zahlten Käufer für zehn Jahre Zinsbindung im Schnitt 4,16 Prozent, Anfang Oktober lagen Angebote bei rund 4,5 Prozent. Wohin sich die Zinsen in fünf oder zehn Jahren bewegen, weiß niemand. Vorsorge heißt deshalb, den Zins für einen absehbaren Bedarf schon heute festzulegen, statt auf die Marktlage am Stichtag zu setzen.
Was ein Zinsanstieg bei der Anschlussfinanzierung kostet
Drei Prozentpunkte mehr Zins kosten bei einer Restschuld von 400.000 Euro rund 1.000 Euro im Monat, also knapp 12.000 Euro im ersten Jahr. Die Rechnung ist einfach: 3 Prozent von 400.000 Euro sind 12.000 Euro Zinsen im Jahr. Weil die Restschuld durch die Tilgung sinkt, liegt der tatsächliche Betrag im ersten Jahr etwas darunter.
Der Sprung von 2022 lag bei rund 2,4 Prozentpunkten, eine solche Größenordnung hat es also schon gegeben. Bei einer kleineren Restschuld wirkt derselbe Anstieg anteilig: Jeder Prozentpunkt kostet bei 150.000 Euro rund 1.500 Euro Zinsen im Jahr.
Wie ein Bausparvertrag den Zins für später sichert
Ein Bausparvertrag hat zwei Phasen, und die Bedingungen für beide stehen schon beim Abschluss fest. In der Ansparphase zahlen Sie monatlich einen festen Anteil der Bausparsumme ein, meist 5 Promille. Ist das Mindestsparguthaben erreicht und der Vertrag zugeteilt, zahlt die Bausparkasse Ihr Guthaben und das Bauspardarlehen aus.
Das Darlehen ist die Differenz zwischen Bausparsumme und Guthaben. Bei 100.000 Euro Bausparsumme und 40 Prozent Guthaben sind das 60.000 Euro zum vorher vereinbarten Zins, unabhängig davon, wo die Bauzinsen bei der Zuteilung stehen. Sondertilgungen sind jederzeit kostenfrei möglich.
Bei Wüstenrot sehen zwei der aktuellen Tarife so aus:
| Tarif | Wohnsparen Premium | Wohnsparen Spezial |
|---|---|---|
| Sollzins Bauspardarlehen | 1,50 % oder 2,25 %, ab 100.000 Euro jeweils 0,25 Punkte weniger | 1,60 % |
| Mindestbausparsumme | 10.000 Euro | 250.000 Euro |
| Mindestsparguthaben | 40 % bei 1,50 %, 30 % bei 2,25 % | 40 % der Bausparsumme |
| Monatliche Rate im Darlehen | 4 bis 8 Promille der Bausparsumme | 4,5 bis 8 Promille der Bausparsumme |
| Guthabenzins | 0,01 % | 0,01 % |
Was ein Bausparvertrag kostet
Beim Abschluss zahlen Sie einmalig eine Gebühr von 1 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme, bei 100.000 Euro also 1.000 bis 1.600 Euro. Bei Wüstenrot Premium kommt zur Abschlussgebühr von 1 Prozent ein Variantenpreis dazu, zusammen landen Sie am oberen Ende dieser Spanne.
Dazu kommt der Preis für die Sicherheit: In den beiden Tarifen oben verzinst sich das Guthaben in der Ansparphase mit 0,01 Prozent kaum. Und nach der Zuteilung tilgen Sie schnell, denn die monatliche Rate liegt bei 4 bis 8 Promille der Bausparsumme. Bei 100.000 Euro sind das 400 bis 800 Euro im Monat. Diese Rate muss in Ihr Budget passen, damit sich der Vertrag lohnt.
Wann sich Bausparen als Vorsorge gegen steigende Zinsen lohnt
Bausparen lohnt sich vor allem, wenn Sie wissen, wofür und ungefähr wann Sie das Geld brauchen. Das gilt typischerweise in drei Fällen:
- Die Zinsbindung endet in einigen Jahren. Mit dem Bausparvertrag sichern Sie einen Teil der Anschlussfinanzierung, und die Bausparsumme löst bei Zuteilung einen Teil der Restschuld ab.
- Eine Modernisierung steht absehbar an. Heizung, Fenster oder Dach lassen sich aus dem Vertrag finanzieren, auch Umbau und Anbau.
- Der Kauf liegt noch einige Jahre in der Zukunft. Das Guthaben zählt später als Eigenkapital, und für den Darlehensteil steht der Zins schon fest.
Für kürzere Zeiträume gibt es das Forward-Darlehen der Banken. Damit sichern Sie den Zins je nach Bank bis zu 60 Monate im Voraus, gegen einen Aufschlag. Wie Prolongation, Bankwechsel und Forward-Darlehen zusammenspielen, haben wir im Beitrag zum richtigen Zeitpunkt für die Anschlussfinanzierung erklärt.
Der genaue Zuteilungstermin bleibt bis zuletzt offen, denn er hängt auch vom Geldbestand aller Bausparer ab. Planen Sie deshalb Puffer ein: Mit dem Regelsparbeitrag von 500 Euro im Monat dauert es bei 100.000 Euro Bausparsumme knapp sieben Jahre, bis 40 Prozent Guthaben und die Abschlussgebühr angespart sind. Sonderzahlungen verkürzen diese Zeit.
Aus unserer Beratung
Seit dem Ende der Niedrigzinsphase 2022 empfehlen wir Bausparen wieder aktiv, vor allem Eigentümern mit Anschlussfinanzierung und allen, die eine Modernisierung planen. Wer sich langfristig einen Zins zwischen 1 und 2 Prozent sichert, kennt für diesen Teil der späteren Finanzierung den Zins schon heute.
Bei der Tarifwahl schauen wir zuerst auf das Mindestsparguthaben. Es gibt Tarife mit rund 1 Prozent Darlehenszins und Tarife mit rund 2 Prozent, und die mit 2 Prozent halten wir meist für die attraktiveren: Unsere Kunden müssen dafür deutlich weniger ansparen und kommen schneller an das Darlehen.
Viele Kunden unterschätzen, wie flexibel ein Bausparvertrag ist. Sparraten lassen sich pausieren, und je nach Bausparkasse lässt sich der Vertrag in Teile von 10.000 oder 25.000 Euro aufteilen. Auch eine Übertragung auf Partner, Kinder oder Enkel ist möglich. Bevor wir einen Vertrag empfehlen, klären wir dieselben vier Fragen wie vor jeder Finanzierung: Haushaltseinkommen, Eigenkapital, laufende Kredite und die Rate, die Sie sich monatlich wünschen.
Wofür ein Bauspardarlehen verwendet werden darf
Ein Bauspardarlehen ist für wohnwirtschaftliche Zwecke gedacht, und darunter fällt deutlich mehr als Kauf und Neubau. Dazu zählen auch die Ablösung eines bestehenden Immobilienkredits, Modernisierung, Umbau und Anbau, Grunderwerbsteuer und Notarkosten sowie der Einbau einer Wärmepumpe oder neuer Fenster. Auch Mieter können einen Vertrag nutzen, etwa für ein neues Bad oder eine Fußbodenheizung in der Mietwohnung.
Für die Absicherung reicht der Bausparkasse oft eine Grundschuld im zweiten Rang, die erste bleibt für Ihre Hauptbank frei. Bei kleineren Darlehen bis 50.000 Euro kann sie ganz auf eine Grundschuld verzichten. Wie Sie eine Modernisierung in die Finanzierung einplanen, zeigt unser Beitrag zu Energieeffizienz und Sanierungskosten. Und wie Bausparguthaben beim Kauf als Eigenkapital wirkt, steht im Beitrag zur Finanzierung mit wenig Eigenkapital.
Wie wir Prolongation, Bankwechsel und Forward-Darlehen für Ihre Restschuld vergleichen, beschreiben wir auf der Seite zur Anschlussfinanzierung in Hamburg.
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Quellen
- Interhyp: Zinsniveau zehnjähriger Darlehen zu Jahresbeginn 2022, rund 1 Prozent (05.01.2022)
- Interhyp: Bauzinsen im Juni 2022 in der Spitze bei 3,4 Prozent (07.07.2022)
- Baufi24: Zinskommentar Oktober 2026, Durchschnitt September 4,16 Prozent (06.10.2026)
- Dr. Klein: aktuelle Bauzinsen, zehn Jahre Zinsbindung 4,16 Prozent effektiv (08.10.2026)
- Wüstenrot Bausparkasse: Bauspartarife und Konditionen (abgerufen 08.10.2026)
- Verband der Privaten Bausparkassen: Allgemeine Kundeninformation zum Bausparen (Stand Februar 2022)
Über den Autor
Jakob Schilk ist Gründer und Finanzierungsberater bei Schilk & Partner in Hamburg. Er ist seit 2021 in der Immobilienfinanzierung tätig und hat gemeinsam mit seinem Bruder Anselm über 300 Finanzierungen begleitet, von der ersten Einschätzung bis zur Auszahlung.
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