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Ratgeber · Modernisierung & Kapital

Energieeffizienz beim Wohnungskauf in Hamburg: Aufpreis zahlen oder Sanierung finanzieren?

Porträt von Jakob Schilk

Von Jakob Schilk · 31. August 2026 · Lesezeit 7 Min.

Günstiger kaufen und später sanieren? Oder mehr für eine bereits energieeffiziente Wohnung zahlen? Vor dieser Entscheidung stehen in Hamburg gerade viele Käufer. Der Unterschied ist größer, als die meisten vermuten: Bei einer Wohnung mit 80 Quadratmetern liegen zwischen effizienten und weniger effizienten Angeboten im Schnitt rund 151.000 Euro.

Ob die günstigere Wohnung das bessere Geschäft ist, entscheidet der Sanierungsbedarf. Steht die Sanierung von Dach, Heizung oder Fenstern bald an, gehören diese Kosten von Anfang an in der Finanzierung berücksichtigt. Ein Vergleich macht also erst Sinn, wenn Sie Kaufpreis und Modernisierung zusammenrechnen.

Warum der Kaufpreis allein wenig sagt

Stellen Sie sich zwei Wohnungen vor, ähnliche Lage, ähnliche Größe. Die eine ist energetisch saniert und deutlich teurer. Die andere kostet weniger, dafür stehen in den nächsten Jahren Arbeiten an.

Welche der beiden Wohnungen für Sie am Ende günstiger ist, hängt vom Sanierungsbedarf ab. Sie brauchen also eine Finanzierung, die den Kaufpreis und die Kosten für die Sanierung abbildet.

In Hamburg wiegt diese Rechnung besonders schwer. Der Preisabstand zwischen effizienten und weniger effizienten Wohnungen ist hier größer als in jeder anderen der sieben größten Städte in Deutschland.

Was der Aufpreis in Hamburg konkret ausmacht

Wohnungen der Klassen A+ bis D werden in Hamburg im Schnitt für 7.558 Euro je Quadratmeter angeboten, Wohnungen der Klassen E bis H für 5.665 Euro. Der Unterschied liegt damit bei 1.893 Euro je Quadratmeter.

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut hat für den Postbank Wohnatlas 2026 alle Angebote von Eigentumswohnungen mit ausgewiesener Effizienzklasse ausgewertet. Verglichen wurden die Klassen A+ bis D mit den Klassen E bis H. Hamburg führt die sieben größten Städte an, der Durchschnitt dieser sieben liegt bei 1.337 Euro je Quadratmeter.

StadtAufpreis je Quadratmeter
Hamburg1.893 €
München1.720 €
Frankfurt am Main1.599 €
Köln1.155 €
Düsseldorf1.129 €
Berlin1.092 €
Stuttgart772 €

Angebotspreise für Eigentumswohnungen, Klassen A+ bis D gegenüber Klassen E bis H. Quelle: Postbank Wohnatlas 2026, Auswertung des HWWI, veröffentlicht am 19. August 2026.

Der Aufpreis wirkt an zwei Stellen. Er erhöht das Darlehen, und er erhöht die Kaufnebenkosten. Die Grunderwerbsteuer liegt in Hamburg bei 5,5 Prozent, dazu kommen Notar, Grundbuch und je nach Fall die anteilige Maklerprovision. Je nach Maklerprovision können sich die Kaufnebenkosten in Hamburg grob auf rund 10 Prozent oder mehr summieren. Auf 151.000 Euro Preisunterschied kommen damit rund 15.000 Euro oder mehr zusätzlich, die aus Eigenkapital gedeckt werden. Wie Sie diesen Block einplanen, erklären wir in diesem Beitrag zur Budgetplanung

Was die Effizienzklasse zeigt und was sie offenlässt

Die Klasse beschreibt den Energiebedarf oder den Energieverbrauch je Quadratmeter und Jahr. Klasse D endet bei 130 Kilowattstunden, Klasse H beginnt bei 250 Kilowattstunden. Zwischen diesen beiden Wohnungen liegen bei 80 Quadratmetern mehr als 9.600 Kilowattstunden im Jahr. Was das in Euro bedeutet, hängt vom Energieträger und vom Tarif ab.

Was die Energieklassen bedeuten

Im Wohnatlas als effizient gewertet

  • A+ unter 30 kWh bis 2.400 kWh
  • A 30 bis 50 kWh bis 4.000 kWh
  • B 50 bis 75 kWh bis 6.000 kWh
  • C 75 bis 100 kWh bis 8.000 kWh
  • D 100 bis 130 kWh bis 10.400 kWh

Als weniger effizient gewertet

  • E 130 bis 160 kWh bis 12.800 kWh
  • F 160 bis 200 kWh bis 16.000 kWh
  • G 200 bis 250 kWh bis 20.000 kWh
  • H ab 250 kWh ab 20.000 kWh
Endenergie je Quadratmeter und Jahr laut Energieausweis, dazu die Hochrechnung auf eine Wohnung mit 80 Quadratmetern. Der Postbank Wohnatlas vergleicht die Klassen A+ bis D mit den Klassen E bis H.

Beim Lesen des Energieausweises lohnt ein zweiter Blick auf die Art des Ausweises. Ein Bedarfsausweis rechnet das Gebäude durch. Ein Verbrauchsausweis bildet ab, wie die bisherigen Bewohner geheizt haben. Zwei Wohnungen mit derselben Klasse können deshalb im Betrieb unterschiedlich teuer sein.

Vor allem aber sagt die Klasse nur etwas über Energie. Bäder, Böden, Leitungen, Elektrik und Dach tauchen dort nicht auf. Genau diese Posten entscheiden nach dem Kauf darüber, wie viel Geld die Wohnung in den ersten Jahren zusätzlich braucht.

Aufpreis oder Modernisierungsbudget: die Rechnung

Rechnen wir den Unterschied als das, was er ist: als Teil Ihrer monatlichen Rate. Grundlage sind die Durchschnittspreise der Studie für eine Wohnung mit 80 Quadratmetern.

Wohnfläche80 m²
Wohnung Klasse D oder besser604.640 €
Wohnung Klasse E bis H453.200 €
Preisunterschied151.440 €
Sollzins p. a., 10 Jahre fest3,80 %
Anfängliche Tilgung2,00 %
Monatliche Rate für den Preisunterschiedrund 732 €

Annahmen: Durchschnittspreise des Postbank Wohnatlas 2026 für Hamburg, kein konkretes Objekt. Der Preisunterschied wird vollständig finanziert, Kaufnebenkosten kommen hinzu. Sollzins beispielhaft, Stand August 2026, abhängig von Bonität, Eigenkapital und Objekt. Diese Rechnung dient der Orientierung und stellt kein Angebot dar.

Würde derselbe Betrag zu denselben Konditionen finanziert, entspräche das ebenfalls rund 732 Euro monatlich. Die Frage lautet also selten, welche Variante günstiger ist. Die Frage lautet, was Sie für das Geld bekommen. Entweder eine fertige Wohnung zum Einzug. Oder ein Objekt, das Sie nach Ihren Vorstellungen herrichten und dessen Bauzeit Sie überbrücken.

Ein Punkt spricht für die sanierte Wohnung, ein anderer für das Budget. Beim Aufpreis steht der Preis fest, beim Modernisierungsbudget bleibt ein Rest Unsicherheit über die tatsächlichen Kosten. Dafür bestimmen Sie beim eigenen Budget Reihenfolge, Umfang und Ausstattung selbst.

Aus unserer Beratung

Der Sanierungsbedarf ist der Posten, den Käufer in der Finanzierungsplanung am häufigsten zu niedrig ansetzen. Das kommt bei uns regelmäßig vor, gerade weil Bau- und Lohnkosten in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Viele Zahlen, die Käufer im Kopf haben, stammen noch aus der Zeit davor.

Kauf und Modernisierung planen wir deshalb möglichst gemeinsam. Werden Kauf und geplante Modernisierung gemeinsam finanziert, kann der Modernisierungsanteil je nach Bank und Maßnahme in die Baufinanzierung integriert werden. Eine gemeinsame Planung kann günstiger und einfacher sein als eine spätere separate Finanzierung. Ob das im konkreten Fall gilt, hängt von Bank, Maßnahme und Finanzierung ab.

Stehen zwei ähnliche Objekte zur Wahl, schauen wir zuerst auf den Gesamtzustand: Wann wurden Bäder, Böden und Wände zuletzt saniert, wann das Dach? Bei einer Bestandsimmobilie ist ein Gutachter beim Besichtigungstermin aus unserer Sicht das am besten eingesetzte Geld.

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Kauf und Modernisierung gemeinsam finanzieren

Kauf und Modernisierung lassen sich häufig gemeinsam in einer Finanzierung abbilden. Die Bank braucht dafür den Kaufvertragsentwurf, die Objektunterlagen und eine Aufstellung der geplanten Arbeiten. Handwerkerangebote sind die beste Grundlage, für den Anfang genügt eine nachvollziehbare Kostenschätzung.

Wertsteigernde Maßnahmen bewerten viele Banken mit dem Zustand nach der Modernisierung. Das kann sich auf die Konditionen auswirken, weil sich der Beleihungsauslauf anders darstellt. Ob zusätzlich ein Förderprogramm passt, prüfen wir im Einzelfall mit. Die Bedingungen ändern sich regelmäßig, verbindlich ist die Zusage der Bank.

Wer die Sanierung erst später finanziert, verhandelt zu einem anderen Zeitpunkt und mit einer nachrangigen Absicherung. Deshalb gehört das Modernisierungsbudget in dieselbe Planung wie der Kaufpreis. Wie das bei Schilk & Partner abläuft, steht auf der Seite Modernisierung & Kapitalbeschaffung.

Bei einer Eigentumswohnung entscheidet die Gemeinschaft mit

Bei einer Eigentumswohnung betrifft Ihr Modernisierungsbedarf nicht nur das Sondereigentum. Maßnahmen an Dach, Fassade, Fenstern oder zentraler Heizung werden häufig über die Eigentümergemeinschaft beschlossen und können über Rücklagen oder Sonderumlagen auch Ihren Finanzierungsbedarf beeinflussen.

Vor dem Gebot lohnt deshalb der Blick in die Unterlagen der Gemeinschaft. Wichtig sind die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen, die Höhe der Erhaltungsrücklage, beschlossene Sonderumlagen und der aktuelle Wirtschaftsplan. Eine bereits beschlossene Sanierung wirkt auf Ihre Zahlungen, auch wenn im Exposé nichts davon steht. Die Bank fordert diese Unterlagen ohnehin an, für Ihre Entscheidung sind sie früher wichtig.

Was seit Ende Juli 2026 gesetzlich gilt

Seit dem 29. Juli 2026 gelten mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz neue Regeln für den Heizungstausch. Die pauschale 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien ist entfallen, ebenso das altersbezogene Betriebsverbot für alte Heizkessel. Für neu eingebaute Gas- und Ölheizungen gelten jedoch weiterhin steigende Anforderungen an klimafreundliche Brennstoffanteile, beginnend 2029 mit 10 Prozent.

Für Ihre Kaufentscheidung verschiebt das den Zeitdruck, den Zustand der Anlage verändert es nicht. Eine 28 Jahre alte Gasheizung bleibt ein Kostenposten der nächsten Jahre, auch ohne Frist im Gesetz. Für die energetische Bewertung hilft eine Energieberatung. Wir kümmern uns darum, wie sich die daraus entstehenden Kosten sinnvoll in die Finanzierung einordnen lassen.

Sechs Fragen vor dem Gebot

Diese sechs Punkte klären den Unterschied zwischen zwei Objekten schneller als jede Effizienzklasse:

  • Wann wurden Bäder, Böden und Wände zuletzt saniert?
  • Wann wurde das Dach zuletzt saniert?
  • Wie alt sind Heizung, Fenster und Elektrik?
  • Welche Sanierungen hat die Eigentümergemeinschaft bereits beschlossen?
  • Wie hoch ist die Erhaltungsrücklage je Wohnung?
  • Liegt ein Bedarfsausweis oder ein Verbrauchsausweis vor?

Nehmen Sie zu einer Bestandsimmobilie einen Gutachter mit zur Besichtigung. Gemessen an einem sechsstelligen Kaufpreis sind die Kosten dafür gering, und das Ergebnis geht direkt in Ihre Finanzierungsplanung ein.

Wie sich Kaufpreis und Modernisierungsbudget in einem Darlehen bündeln lassen, steht auf der Seite Modernisierung & Kapitalbeschaffung. Eine erste Größenordnung für Darlehen und Rate liefert der Finanzierungsrechner in etwa zwei Minuten.

Porträt von Jakob Schilk

Über den Autor

Jakob Schilk ist Gründer und Finanzierungsberater bei Schilk & Partner in Hamburg. Er ist seit 2021 in der Immobilienfinanzierung tätig und hat gemeinsam mit seinem Bruder Anselm über 300 Finanzierungen begleitet, von der ersten Einschätzung bis zur Auszahlung.

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Stand 31. August 2026. Dieser Beitrag ordnet die übliche Praxis ein und ersetzt keine Finanzierungsberatung im Einzelfall. Zinssätze, Bankkriterien und Förderbedingungen ändern sich; verbindlich ist immer das Angebot der finanzierenden Bank.

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